Arbeitsmarktanalyse für das erste Vierteljahr 2020 2020-06-23

Im Vergleich zu derselben Periode des Jahres 2019 hat die Beschäftigung als Lohnempfänger im ersten Vierteljahr 2020 abgenommen, was sowohl die Anzahl Arbeitsplätze (-0,6%) als auch das Arbeitsvolumen in Vollzeitäquivalenten (-2,2%) betrifft. Dies ist eine direkte Folge der Coronavirus-Krise und der diesbezüglichen ab Mitte März eingeführten Maßnahmen.

Gegenüber der vorgesehenen Entwicklung hat die Coronavirus-Krise einen Gesamtverlust an Arbeitsvolumen in Höhe von  100.000 zu 115.0000 Vollzeitäquivalenten herbeigeführt. Bei einer Extrapolation der vorigen Quartale hätten wir ja ohne Corona-Krise mit einem Wachstum von 1 bis 1,5% oder 30.000 bis 45.000 Vollzeitäquivalenten gerechnet. Ein Arbeitsvolumen von 100.000 Vollzeitäquivalenten entspricht etwa dem Arbeitsvolumen, das 600.000 Vollzeitarbeitnehmer während der zwei letzten Wochen des Monats März geleistet hätten (= 1/6 des Vierteljahres).

Corona-Krise und Arbeitsmarkt

Die Gesamt – oder Teilstilllegung von sehr viel Unternehmen manifestiert sich auf dem Arbeitsmarkt hauptsächlich auf zweierlei Weisen : zeitweilige Arbeitslosigkeit und die Beendung oder Nichterneuerung befristeter Verträge. Diese Phänomene sind beide in den Zahlen ersichtlich, wenn auch auf eine andere Weise.

Bei zeitweiliger Arbeitslosigkeit wird der Band zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber beibehalten aber werden keine oder nur Teilarbeitsleistungen erbracht, was zu einer direkten Verringerung des Arbeitsvolumens in Vollzeitäquivalenten führt.

Die Beendung oder Nichterneuerung befristeter Verträge hingegen verursacht vor allem in den Betriebszweigen, wo es viele besonders befristete Verträge gibt (Zeitarbeit, Horeca-Sektor/Hotel – und Gaststättengewerbe, …), einen unmittelbaren Abbau der Zahl der Arbeitsplätze. Weil diese besonders befristeten Arbeitsstellen (wie zum Beispiel die Flexi-Jobs im Hotel – und Gaststättengewerbe) in manchen Fällen zusätzliche Arbeitsplätze sind, ist die Senkung der Zahl der beschäftigten Arbeitnehmer weniger ausgeprägt. Der Verlust an Arbeitsvolumen dieser Arbeitsstellen ist auch eher beschränkt.

Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei

In der Landwirtschaft und im Gartenbau ist die Beschäftigung als Lohnempfänger in wichtigem Maße aus Saisonarbeit (in Form von Gelegenheitsarbeit) zusammengesetzt. Es wurden Maßnahmen ergriffen, um das Arbeitskräfteangebot (das in normalen Zeiten für mehr als 75% aus dem Ausland kommt) aufrecht zu erhalten. Für das erste Vierteljahr 2020 wird sowohl für die Zahl der Arbeitsplätze wie auch für das Arbeitsvolumen eine leichte Zunahme im Vergleich zum ersten Vierteljahr 2019 festgestellt.

Industrie und Bau

Die Industrie und das Baugewerbe gehören nicht zu den Sektoren, die von offizieller Seite geschlossen wurden. Dennoch wurden mehrere Unternehmen in diesen Sektoren während einer bestimmten Zeit ganz oder teilweise stillgelegt, an erster Stelle wegen der Notwendigkeit, die Arbeitsumstände an die gesundheitstechnischen Anforderungen anzupassen.

Dies hat nur eine sehr begrenzte Auswirkung auf die Zahl der Arbeitsplätze : +0,3% auf Jahresbasis, während diese Rate sich im vierten Quartal noch auf +0,6% belief. Das Arbeitsvolumen in Vollzeitäquivalenten nimmt aber in hohem Maße ab, von +0,2% auf -4% auf Jahresbasis. Vor allem die Textil – und Bekleidungsindustrie, die Druckereien, die Herstellung von Elektrogeräten, die Herstellung von Transportmitteln, die Möbelindustrie und das Baugewerbe kannten einen starken Rückgang.

Dienstleistungssektoren

Vor allem im Bereich der kommerziellen Dienstleistung gibt es zahlreiche Sektoren, die  zu einer Gesamt – oder Teilschließung gezwungen wurden (Horeca-Sektor, Verkauf und Reparatur von Wagen, Non-Food-Einzelhandel, Reisesektor, Reinigungsdienste). Im Gegensatz zu den übrigen Sektoren gibt es durch die höhere Beteiligung von Arbeitnehmern mit sehr kurzfristigen Verträgen eine erhebliche 

Auswirkung auf sowohl die Zahl der Arbeitsplätze (von +2,2% zu
 -2,5%) als auch auf die Zahl der Vollzeitäquivalenten (von +1,6% zu -3,7%). Der Rückgang ist am stärksten in den vorgenannten stillgelegten Sektoren und im Zeitarbeitssektor. Für die Sektoren,  die in erheblichem Maße auf Telearbeit umstellen konnten, gibt es kaum oder gar keinen Einfluss auf die Beschäftigung. Die Entwicklung in den Sektoren “Finanztätigkeiten und Versicherungen” bleibt wie zuvor negativ. Das Wachstum im Bereich der “Rechtlichen, buchhalterischen, betriebswirtschaftlichen und technischen Dienstleistung ” und der Informatik bleibt stark.

In der nichtkommerziellen Dienstleistung sind es vor allem die Sektoren “Unterricht”, “Kunst, Unterhaltungs – und Erholungsdienstleistungen, Sport” und die “Sonstigen persönlichen Dienstleistungen”, die ihre Aktivitäten abbauen oder ganz stilllegen mussten. Für den öffentlichen Sektor mit einem hohen Anteil an fest angestellten Arbeitnehmern ist der Effekt aber sehr beschränkt. Global betrachtet geht die Zunahme der Zahl der Arbeitsplätze sehr leicht zurück (von +1,3% zu +1%). Der Rückgang des Arbeitsvolumens in Vollzeitäquivalenten ist etwas höher (von 1,4% zu 0,2%).

Zeitarbeit

Die Nachfrage nach Arbeitskräften durch Zeitarbeit ist wegen der Gesamt – oder Teilstillegung von Unternehmen, die Zeitarbeitskräfte benutzen, stark zurückgegangen. Ende März 2020 wurden im Zeitarbeitssektor 30% weniger Arbeitsplätze als Ende März 2019 gezählt (-30% bei Handarbeitern, -32% bei Angestellten). Das Arbeitsvolumen in Vollzeitäquivalenten ist während des ersten Vierteljahrs 2020 weniger stark zurückgegangen  (-8,3% ; -7,4% bei Angestellten, -8,9% bei Handarbeitern), aber nur weil der Corona-Schock lediglich eine Auswirkung auf einen beschränkten Teil des Quartals hat. Auch bei den Dienstleistungsscheck-Unternehmen wurden die Tätigkeiten Ende März stark zurückgeschraubt, wodurch das Arbeitsvolumen in Vollzeitäquivalenten in diesem Sektor um 13% zurückgegangen ist.

Arbeitnehmerprofil

Der Rückgang der Beschäftigung ist stärker bei Männern (-2,7% in Arbeitsvolumen) als bei Frauen (-1,6%) und ist am stärksten in den jüngsten Altersgruppen.

Der Rückgang manifestiert sich nahezu ganz im Privatsektor (von +1,4% zu -3,4% in Arbeitsvolumen) und trifft im Privatsektor sowohl die Vollzeitarbeitsstellen (-3,4% in Arbeitsvolumen ) als auch die Teilzeitarbeitsstellen (-4,6% in Arbeitsvolumen). Die Beschäftigung im öffentlichen Sektor ist größtenteils im Einklang mit der Entwicklung der vorigen Quartale (+0,7% in Arbeitsplätzen und Arbeitsvolumen).

Der Rückgang gilt für die Einwohner der drei Regionen, vor allem für das Arbeitsvolumen : die Brüsseler hauptstädtische Region (-1,9%), die Flämische Region (-2,3%) und die Wallonische Region (-2,2%).

Mehr Information

Schnellschätzungen der Beschäfigung

^ Back to Top